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Ich kann nicht mehr – Wenn eine Mama an ihre Grenzen gerät

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Gestern fiel er das erste Mal. Der Satz “Ich kann nicht mehr”. Nach knapp 26 Monaten Muttersein bin ich an einem Tiefpunkt angekommen, an dem ich mich vollkommen ausgelaugt und maximal erschöpft fühle. Sowohl körperlich als auch mental. 

Dabei wollte ich doch immer stark sein. Und ja, bis gestern war ich es auch (mehr oder weniger). Den Alltag mit den zwei kleinen Raupen hatte ich relativ gut im Griff. Und auch sonst bekam ich von meinem Umfeld oft zu hören, wie „einfach“ das Ganze bei mir mit Kleinkind und Baby aussehen würde. 

Die wenigsten wissen jedoch, dass ich manchmal am liebsten laut schreien würde, wie verdammt schwer der Job als Mutter ist. Ich habe das Gefühl, man darf sich über seinen Job beschweren, wenn es mal nicht gut läuft, aber wehe eine Mama beschwert sich über ihr Mutter-Dasein. Denn so riskierst sie es, den ultimativ verhassten Spruch “Naja, du wolltest ja Kinder” zu hören zu bekommen. Ich möchte nicht ständig darüber meckern, wie anstrengend Fremdbestimmung durch das eigene Kind sein kann. Ich möchte einfach nur gehört werden, mir den Frust von der Seele reden, ohne dabei das Gefühl zu bekommen, verurteilt zu werden.

Zu sagen, dass mir das jetzt gerade alles zu viel ist, war für mich immer eine Bestätigung des Scheiterns. Wie falsch ich damit lag, wird mir erst jetzt bewusst.

Also – es ist an sich nichts Tragisches vorgefallen! 

Der Morgen fing damit an, dass das Baby die vierte Nacht in Folge vor sechs Uhr putzmunter aufgestanden ist. Ich litt also bereits unter Schlafmangel und die Tatsache, dass ich nachts noch stillte, machte es auch nicht besser. Gegen 07:30 Uhr ist dann Fräulein Raupe Nimmersatt aufgestanden und da ging es dann los: Sie wollte ihren Puppenwagen mit in die Spielgruppe nehmen. Das ging natürlich nicht. Das Baby war in der Trage und die Große in ihrem Dreirad, wohin also mit dem Puppenwagen. Ganz abgesehen davon, wollte ich ihren Puppenwagen natürlich nicht mit zur Spielgruppe nehmen. Es folgten also dicke Tränen und viel Geschrei. 

Zu Hause nutzte ich dann die Zeit, in der Raupe Nimmersatt in der Spielgruppe war, um den Haushalt zu machen, Mittagessen vorzubereiten, das Baby zu bespaßen, zu wickeln und zu stillen. Ich schaffte es sogar meinen Kaffee zu trinken, ohne, dass er kalt wird. Das war aber auch schon das einzig positive an diesem Tag. 

Fräulein Raupe Nimmersatt ist dreimal wöchentlich á vier Stunden in einer Spielgruppe. Das ist für mich die einzige Zeit, in der ich den alltäglichen Verpflichtungen am besten nachkommen kann, ohne gestört zu werden. Vorausgesetzt das Baby spielt mit. Und meistens gehe ich mit dem Baby noch mindestens eine Stunde spazieren. Gestern habe ich es allerdings nicht mehr geschafft. Im Nachhinein hätte ich doch lieber mal den Haushalt Haushalt sein lassen und mir diese Stunde Auszeit gegönnt.

Nachdem ich Fräulein Raupe Nimmersatt gegen Mittag abgeholt habe, war es Zeit für ihren Mittagsschlaf. Und jetzt ratet mal, worauf sie absolut keine Lust hatte? Genau, ihren Mittagsschlaf! Ich bin fast verzweifelt. Ich weiß noch wie ich dalag und mich am liebsten wegbeamen wollte.

Das war der zweite Tag in Folge, an dem sie ihren Mittagsschlaf wegließ und ich hatte ehrlich gesagt Bange, dass das jetzt immer so sein wird. Ihr Mittagsschlaf war für mich die einzige Zeit am Tag, um mir etwas me-time zu gönnen. Natürlich wieder vorausgesetzt, dass auch das Baby um diese Zeit schlief. Was nicht immer der Fall war.

Warum Me-Time für uns Mamas so unglaublich wichtig ist

Bitte versteht mich jetzt nicht falsch. Ich bin unglaublich gerne mit meinen Kindern, ich sitze gerne mit ihnen am Esstisch, ich puzzle gerne mit der Großen und liebe die Spaziergänge mit dem Baby. Und vom täglichen Kuscheln brauch ich euch nichts zu erzählen oder? Ich schaue ihnen minutenlang beim schlafen zu und denke mir jedes Mal, was für ein Glück ich doch habe, mit diesen beiden süßen Wesen gesegnet worden zu sein. Aber jetzt mal ehrlich: Sosehr ich die Zeit mit meinen Kindern genieße, sosehr brauche ich auch Zeit für mich. Zeit zum entspannen und zum Kopf runter fahren. Oder auch einfach nur Zeit um Dinge zu tun, bei denen ich mich entspannen kann. 

Dass ich me-time brauche ist mir natürlich bewusst, da ich dann meist stressfreier und ausgeglichener bin. Und ja – Babys und Kinder spüren das. Unsere Kleinen merken es, wenn Mama Stress verspürt. Meiner Meinung nach stimm es auch, dass Kinder entspannter sind, wenn es auch die Eltern sind.

Um nochmal auf den wirklich beschissenen Ich-kann-nicht-mehr-Tag zurückzukommen: Ich war ultimativ gestresst. Und das haben meine Kinder anscheinend gespürt. Die Große wollte, wie gesagt, keinen Mittagsschlaf machen. Zum zweiten Mal in Folge. Für mich hieß das, wir waren den zweiten Tag in Folge komplett aus unserer Routine. Und von me-time war absolut keine Rede mehr.

Ich kann der Studie ehrlich gesagt nur zustimmen. Es heißt dort außerdem, dass die Mütter froh sind, wenn sie wenigstens eine Stunde am Tag für sich selbst haben. Und genau diese Stunde ist es, die mir persönlich durch den Alltag hilft. Meine sogenannte me-time. Wenn diese mal fehlt, dann merke ich das sofort.

Vermisse ich mein altes Leben?

Ich würde das klar verneinen. Auch wenn es mal sehr anstrengende Tage gibt, weiß ich, dass auch diese vorbeigehen. Nichts geht für mich über das Mutterglück, das ich empfinde. Wenn Fräulein Raupe Nimmersatt einen etwas längeren Mittagsschlaf hält, dann merke ich schon, wie sehr ich mir wünsche, dass sie nun endlich aufsteht, nur damit ich sie knuddeln kann. Ein Leben ohne meine Kinder kann ich mir absolut nicht vorstellen. 

Ich vermisse mein altes Leben also absolut nicht. ABER: Ich vermisse sehr wohl einige Momente und gewisse Freiheiten. Ich vermisse es ein Buch durchzulesen ohne unterbrochen zu werden, oder zu duschen, ohne das Gefühl zu haben das Baby schreien zu hören. Ich vermisse es auch einfach aus der Tür raus zu gehen ohne zu checken, ob ich alles dabei habe. Und natürlich vermisse ich es auch auszuschlafen. Ich vermisse solche Momente, in denen mein Kopf frei von To-do-Listen war und es meine einzige Sorge war, ob ich die Straßenbahn rechtzeitig erwische, wenn ich mich im letzten Moment doch für ein anderes Outfit entscheide.

Einen solchen Moment hatte ich natürlich dann auch gestern. Als ich sagte, ich kann nicht mehr. Gegen Abend habe ich den Müll raus gebracht und dabei schweifte mein Blick nach links zu dem kleinen Hügel, der zu einem großen Pferdehof und meinem Lieblings-Aussichtsplatz führte, von wo aus ich den Bodensee überblicken konnte. Gott, was hätte ich in diesem Moment dafür gegeben, einfach loszulaufen. Ganz alleine einen langen Spaziergang machen. Vor allem war es außerdem das perfekte Wetter, ein angenehmer Herbstabend, die Blätter fingen langsam an sich zu verfärben. Hachh…   Aber leider leider was es Zeit, das Baby zu stillen und ins Bett zu bringen. 

Warum es gut getan hat zu sagen "Ich kann nicht mehr"

Es hat gut getan zu sagen, dass ich nicht mehr kann, weil es ein Eingeständnis war. Weil es mir gezeigt hat, dass ich nicht alles schaffen muss. Weil ich mir damit selbst bewiesen habe, in einem schwachen Moment stark zu sein, für meine Kinder da zu sein. Das ist am Ende das, worauf es ankommt. Außerdem, welche Mutter ist denn bitte perfekt?? Als ich gedacht habe ich kann nicht mehr, habe ich mir überlegt, was genau ist gerade so schlimm? Eigentlich geht es mir doch gut! Und ab da habe ich über die Dinge nachgedacht, die ich habe und die mich glücklich machen. 

Ich weiß, dass es auch in Zukunft bestimmt wieder mal einen Zeitpunkt geben wird, an dem ich als Mutter an meine Grenzen kommen werde. Aber sofern ich diese Grenzen erkenne und lerne damit umzugehen, ist es ok! 

Liebe andere Mama da draußen, falls auch du einmal so einen beschissenen Tag haben solltest (und ich bin mir sehr sicher, dass du den auch mal hast), dann denke daran, es ist absolut in Ordnung “nicht mehr zu können”. Es ist kein Scheitern und auch keine Schwäche – ganz im Gegenteil, es ist sogar ziemlich stark zu reflektieren, dass man eine mentale Pause braucht.

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