So verlief meine zweite Geburt: schneller, leichter und einfach nur traumhaft schön

zweite-geburt
Meine zweite Geburt fand in diesem schönen Kreißsaal statt, in welchem ich mich von Anfang an wohl gefühlt habe.

„Bitte nicht!“ denke ich mir. Und damit meine ich nicht Corona, welches bei mir am Tag des Entbindungstermins positiv getestet wurde. Nein, schlimmer. Ich sollte am nächsten Tag zur Einleitung der Geburt ins Krankenhaus. Mein absoluter Alptraum. Ich hatte bereits eine Einleitung bei der Geburt meiner ersten Tochter und die war wirklich nicht schön. 

Erst durch meine zweite Geburt ist mir bewusst geworden, wie schlimm die erste tatsächlich war. Den Geburtsbericht meiner ersten Tochter und warum ich keine Einleitung mehr machen würde findest du hier.

Die zweite Geburt stellt sich jede Mutter sicherlich so vor: schneller, leichter und mit weniger Schmerzen verbunden. Und warum auch nicht, schließlich hat der weibliche Körper diesen gewaltigen Naturprozess bereits einmal durchgemacht. 

Ich hatte ja ehrlich gesagt einige Wunschvorstellungen, was die zweite Geburt betraf. Mir gefiel die Idee die ersten Wehen daheim in vertrauter Umgebung zu veratmen und erst wenn der Abstand kurz genug ist ins Krankenhaus zu fahren. Zudem sollte die Geburt möglichst kurz sein, ungefähr zwei Stunden.  Außerdem bevorzugte ich es in der Nacht zu gebären, da zu dieser Zeit meist weniger los war im Kreißsaal. Und natürlich nicht zu vergessen und wie ich bereits erwähnt hatte: bloß keine Einleitung. 

Ja ich weiß, das sind ziemlich hohe Ansprüche und natürlich kann man sich nie aussuchen, wie die Geburt letztlich verlaufen wird. Es war nur so, dass ich diesmal alles anders machen wollte. Ich wollte es besser machen und meinem Körper und mir mehr vertrauen. Ich wusste, dass meine innere Einstellung maßgeblich auf den Geburtsverlauf Einfluss haben wird. Solange natürlich keine Komplikationen auftreten. 

Ob sich meine Wunschvorstellungen erfüllt haben, verrate ich dir gerne in meinem Bericht 🙂

Der Einleitung knapp entkommen

Mit hängenden Schultern und mieser Laune ging es nach dem Krankenhausbesuch also nach Hause. Der einzige Lichtblick war natürlich der, dass ich aufgrund der nun bevorstehenden Einleitung wusste, ich würde unsere Tochter in Kürze in den Armen halten.

Doch es sollte (zum Glück) alles anders kommen. Denn nicht nur ich hatte keine Lust auf eine Einleitung der Geburt, sondern auch meine kleine Bauchbewohnerin. 

Übrigens: Eine Einleitung sollte bei mir gemacht werden, da die Fruchtwassermenge immer geringer wurde. Nicht immer finde ich die Gründe einer Einleitung gerechtfertigt. Klar, wenn damit große Komplikationen vermeidet werden können, dann ist das natürlich etwas anderes (wenn das Baby z.B. zwei Wochen nach ET noch nicht da ist). Bei der Geburt meiner ersten Tochter wurde mir eine Einleitung aufgrund der Größe des Babys empfohlen. Heute weiß ich, dass weder ich, noch mein Körper, noch meine Tochter wirklich bereit waren für die Geburt. 

Im Endeffekt beschleunigt die Einleitung einen natürlichen Prozess, obwohl noch nicht alle „Parteien“ bereit sind. Es muss aber nicht immer so sein! 

Erfüllen sich meine Wunschvorstellungen?

Oh ja, aber sowas von!

Gegen 02:22 Uhr habe ich plötzlich einen ziehenden Schmerz verspürt, bei dem ich instinktiv wusste: Jetzt geht es los! Mein Wunsch, in der Nacht zu gebären, sollte also in Erfüllung gehen. Ohne meinen Mann zu informieren machte ich es mir im Wohnzimmer gemütlich und veratmete die ersten zwei Wehen. Die Stille und auch die Tatsache, dass ich mich ganz allein auf den Moment konzentrieren konnte halfen mir durch die beiden Wehen. 

Ich stellte mir vor, wie ich auf einer Welle reite und zählte langsam von zehn runter. Den Schmerz versuchte ich dabei weitestgehend auszublenden. Mein Körper und ich sollten stärker sein als der Schmerz, also fokussierte ich meine gesamte Energien und Konzentration auf das Veratmen. 

Die nächsten Wehen ließen nicht lange auf sich warten, also entschloss ich mich, den Abstand zu messen. Es waren jeweils drei Minuten, sodass ich direkt im Kreißsaal angerufen habe. Dort teilte man mir mit, ich solle mich so langsam auf den Weg machen. 

Ich weckte also meinen Mann und unsere kleine Tochter und gegen 03:10 Uhr machten wir uns auf den Weg ins Krankenhaus. Auch mein Wunsch, die ersten Wehen daheim zu veratmen, ging in Erfüllung 🙂

Im Auto merkte ich dann, dass die Abstände der Wehen immer kürzer wurden und auch der Schmerz immer stärker. Das Krankenhaus lag zum Glück nur etwa 10 Minuten Autofahrt entfernt. Kurz bekam ich ehrlich gesagt Panik, da die Abstände wie gesagt kürzer wurden und ich Angst hatte, dass wir es nicht rechtzeitig schaffen.

Im Kreißsaal ging es dann auch direkt los

Um exakt 03:24 Uhr kamen wir im Krankenhaus an. Der Weg zum Kreißsaal war kein Zuckerschlecken – dieser lag nämlich ganz unpraktisch am Ende des Krankenhauses. Im Nachhinein habe ich es auch bereut, an der Pforte nicht nach einem Rollstuhl gefragt zu haben. 

Zu dritt beschritten wir also den langen Gang. Dieser Weg bleibt mir aus zwei Gründen so sehr in Erinnerung: Einerseits war da unsere kleine Lola, 18 Monate alt und noch ziemlich verschlafen wusste sie überhaupt nicht, was los war. Der ursprüngliche Plan war es, Lola zu einer meiner Schwestern zu bringen, die beide in der Nähe wohnen. Die Umstände haben es uns allerdings nicht ermöglicht. 

Zum anderen bleibt mir dieser Moment so sehr in Erinnerung, weil ich hier die schmerzhafteste Wehe während dieser Geburt veratmen musste. Das lag sicherlich auch daran, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht wohl gefühlt habe und einfach nur noch den Kreißsaal im Kopf hatte.

Eine weitere Sache, die mich im Nachhinein traurig stimmt: Ich habe mich nicht richtig von Lola verabschieden können. Mein Mann hatte mir später erzählt, dass sich Lola den gesamten Weg zurück nach mir umgedreht hatte..

Am Eingang zur Entbindungsstation wurde ich dann auch von der anwesenden Hebamme in Empfang genommen. Die letzten Schritte zum Zimmer musste mich die Hebamme stützen, da ich kaum noch laufen konnte. 

zweite-Geburt
Ich habe mich in dem Zimmer direkt wohl gefühlt. In der Wanne gebären kam für mich allerdings nicht mehr in Frage, da es bereits zu spät war.
zweite-Geburt
Hier fand meine zweite Geburt statt. Vor allem hilfreich fand ich die rote Schlaufe zum festhalten.

Im Zimmer angekommen teilte ich meiner Hebamme, die übrigens Naomi hieß und einfach nur wunderbar war, mit, dass ich ganz dringend auf Toilette muss. Dort bekam ich dann einen kleinen Schock, als ich bemerkte, dass meine Hose voller Blut war. 

Naomi beruhigte mich und meinte, das muss nichts heißen und passiert öfter mal, wenn die Geburt losgeht. 

Wenn die Fruchtblase nicht platzen möchte..

Wie weit die zweite Geburt fortgeschritten war, wurde mir bewusst, als Naomi mir aufs Bett half und ich den dringenden Bedarf verspürte zu pressen. Was das bedeutet, wusste ich sofort. Dass zu diesem Zeitpunkt allerdings direkt schon die Austreibungsphase beginnen sollte, konnte ich kaum glauben. 

Naomi bat mich erstmal nicht zu pressen, da sie noch keine Zeit gehabt hatte, den Muttermund zu messen. Dies tat sie dann entsprechend und gab mir daraufhin auch das go langsam zu pressen. Ich war unglaublich glücklich und verspürte auch etwas Stolz auf mich, dass ich es bis zur vollständigen Öffnung des Muttermunds so gut gemeistert hatte. Ich wusste, dass es vor allem an meiner inneren Einstellung, die Geburt als etwas wertvolles zu sehen, sowie der Atemtechnik lag. Von beiden war bei meiner ersten Geburt nicht unbedingt die Rede.

Die Wehen während der Austreibungsphase unterscheiden in der Regel sich von denen der sogenannten Eröffnungsphase. Für mich waren diese nicht ganz so schmerzhaft, sondern eher sehr kräftig und drückend. Man verspürt einen unglaublichen Druck „nach unten“ und es fühlt sich ehrlich gesagt so an, wie wenn man das große Geschäft verrichtet. Da es zu Ellas‘ Ankunft nicht mehr lange dauern konnte, rief Naomi die diensthabende Ärztin dazu, die mir ebenfalls auf Anhieb sehr sympathisch war. 

Ich habe mich so unglaublich wohl in Anwesenheit von Naomi sowie der Ärztin gefühlt. Es wurde sehr geduldig mit mir umgegangen und es wurde auch stets auf meine Bedürfnisse eingegangen. Bei jeder Wehe wurde ich ermutigt und gelobt, das Ganze so gut zu meistern. Das gibt einem noch einmal an ganz anderes Gefühl und einen wirklichen Energieschub. In den Wehenpausen haben wir sogar Witze gerissen und es wurde gelacht.

Bis hierhin lief alles eigentlich sehr gut. Nur eine Sache ließ auf sich warten: das Platzen der Fruchtblase. Das war aber nicht weiter tragisch, denn auch hier können Hebammen oder Ärzte ganz einfach nachhelfen. Ganz selten passiert es, dass ein Baby mitsamt Fruchtblase zur Welt kommt. Das wird dann „Glückshaube“ genannt, finde ich einen sehr passenden Namen 🙂

Was mir besonders half, die Wehen zu überstehen: Ich hatte bei den Wehen immer das große Bedürfnis an etwas zu ziehen oder mich an etwas festzuhalten. Da mein Mann nicht dabei war, konnte er diese Aufgabe als „Stütze“ nicht erfüllen. Über dem Bett hing ein Tuch, welches mit einer dicken Schlaufe befestigt wurde. Ich zog, zerrte daran und ab und zu schrie ich auch mal. Von meiner Seite aus eine klare Empfehlung an alles Schwangeren im Kreißsaal, dieses Tuch als Hilfestellung zu benutzen! Bei der ersten Geburt war ich durch die Schmerzen derart dekonzentriert, dass mir gar nicht in den Sinn gekommen ist, das hängende Tuch zu benutzen.

Eine schnelle, zweite Geburt

Als Naomi den Satz „Noch zwei Wehen und dann ist Ella da“ sagte, war ich so unglaublich erleichtert, dass das Ende nun so nah war. Und tatsächlich, zu dritt meisterten wir die letzen zwei Wehen und dann konnte ich Ella endlich im Arm halten. Für mich das schönste Gefühl auf der ganzen Welt. Diese Sekunden, wenn dir dein Baby auf die Brust gelegt wird, die sind einfach magisch. 

Gegen 04:14 Uhr wurde unsere zweite Tochter geboren. Die 4 ist übrigens meine Lieblingszahl 🙂

Somit ging eine weitere Wunschvorstellung von mir in Erfüllung. Meine zweite Geburt hatte von der ersten Wehe bis zum Ende knapp zwei Stunden gedauert.

zweite Geburt
Unsere kleine, wunderschöne Ella am Tag ihrer Geburt
Wie süß kann man bitte sein

 

Ich würde mich sehr freuen, wenn du deine Erfahrung deiner zweiten Geburt mit meinen Lesern und mir teilst. Gerne in den Kommentaren. Falls du genauso wie ich positive Erfahrungen mit der zweiten Geburt gemacht hast, dann ist das vor allem für Mamas, denen die zweite Geburt noch bevorsteht, sehr ermutigend und hilfreich. 

Das könnte ebenfalls interessant sein für dich:

Schreibe einen Kommentar